Bis zum 28. Juni 2026 sind Bewerbungen für das Horizonte-Stipendium möglich!
Übernommen von der Newsroom-Redaktion der UHH/CSS
Hewi Jalal Amin studiert an der Universität Hamburg und der TU Hamburg die Fächer Deutsch und Arbeitslehre/Technik auf Lehramt. Im Interview berichtet sie, warum sie sich für Bildungsarbeit als Beruf entschieden hat und wie ihr das Horizonte-Stipendium beim Studium hilft. Das Programm, für das bis zum 28. Juni 2026 wieder Bewerbungen möglich sind, richtet sich an angehende Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte.
Sie haben zunächst nach dem Abitur einen Bachelor in Energie und Umwelttechnik begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie sich im Studienverlauf für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums entschieden haben?
Während des Bachelorstudiums begann ich, ehrenamtlich im „Haus der Jugend“ in Kirchdorf Kinder und Jugendliche in der Hausaufgabenhilfe und Lernbegleitung zu unterstützen. Dort habe ich schnell gemerkt, wie viel Freude es mir bereitet, Lerninhalte verständlich zu vermitteln und junge Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten – viele der Schüler:innen über mehrere Jahre hinweg.
Besonders geprägt hat mich dabei die Erfahrung, wie wichtig individuelle Unterstützung für Kinder und Jugendliche ist, die häufig nicht dieselben Bildungsressourcen und Chancen mitbringen wie andere. Ich habe gemerkt, dass ich nicht nur fachlich erklären, sondern vor allem motivieren, stärken und begleiten möchte.
Durch diese Arbeit entstand zunehmend der Wunsch, Pädagogik und Bildungsarbeit zu meinem beruflichen Schwerpunkt zu machen. Deshalb habe ich mich bewusst für das Lehramtsstudium entschieden. Heute gehe ich in meiner Rolle als angehende Lehrkraft und Pädagogin sehr auf und habe das Gefühl, einen Weg gefunden zu haben, der sowohl meinen persönlichen Werten als auch meinen Fähigkeiten entspricht.
Das Horizonte-Programm richtetet sich speziell an Lehramtsstudierende der Universität Hamburg, die eine Migrationsgeschichte haben. Mit welchen Herausforderungen sind Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte konfrontiert, und inwiefern hilft das Horizonte-Stipendium, diesen Herausforderungen zu begegnen?
Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte sind häufig auch innerhalb von Bildungseinrichtungen mit Alltagsrassismus, Vorurteilen und Zuschreibungen konfrontiert. Schule ist leider nicht automatisch ein diskriminierungsfreier Raum, und auch der Lehrberuf schützt nicht davor. Gerade deshalb sehe ich es als wichtige Aufgabe von Lehrkräften, Schule aktiv mitzugestalten und Ungleichheiten sichtbar zu machen. Herausforderungen entstehen dabei nicht nur im Unterricht, sondern auch im Kollegium, in Gesprächen mit Eltern oder innerhalb schulischer Strukturen.
Das Horizonte-Stipendium unterstützt dabei auf mehreren Ebenen. Besonders wertvoll finde ich, dass es Räume für Austausch, Reflexion und Empowerment schafft. Darüber hinaus stärkt das Programm die Stipendiat:innen durch Seminare, Weiterbildungen und Coachings auch fachlich darin, Herausforderungen selbstbewusst zu begegnen.
In der ideellen Förderung des Stipendiums spielen Workshops und Tutorien eine große Rolle. Welche der behandelten Themen interessieren Sie besonders?
Im Stipendienprogramm Horizonte werden viele Themen behandelt, die im Lehramtsstudium oft zu kurz kommen, zum Beispiel Diskriminierungssensibilität, Bildungsgerechtigkeit, pädagogische Haltung oder der Umgang mit Vielfalt im Schulalltag.
Besonders interessieren mich Fragen rund um diskriminierungssensible Bildungsarbeit und wie Schule ein gerechterer, inklusiver und demokratischerer Ort werden kann, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten Platz haben. Ich finde es bereichernd, Theorie, persönliche Erfahrungen und pädagogische Praxis miteinander verbinden zu können.
Im Stipendienprogramm Horizonte sind Sie Teil einer sehr diversen Gruppe von Lehramtsstudierenden. Was nehmen Sie daraus für sich mit? Hat sich dadurch Ihr Blick auf die Tätigkeit als Lehrerin verändert?
Auch wenn wir als Gruppe sehr unterschiedliche Biografien und Erfahrungen mitbringen, gibt es viele Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Viele von uns teilen ähnliche Herausforderungen, mit Blick darauf, was es bedeutet, mit Migrationsgeschichte in Deutschland zu leben und Lehrkraft zu werden. Unsere Gemeinsamkeiten, aber auch unsere Unterschiede, ermöglichen es uns, voneinander zu lernen und neue Perspektiven auf Schule, Gesellschaft und unseren späteren Beruf zu gewinnen.
Dadurch hat sich mein Blick auf den Lehrberuf auch noch einmal erweitert. Ich habe verstanden, dass Lehrkräfte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Schule auch aktiv mitgestalten und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Die Seminare und der Austausch mit anderen Stipendiat:innen helfen mir dabei, meine eigene pädagogische Haltung bewusster zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Neben Studium, Beruf und Stipendium übernehmen Sie Verantwortung für andere Menschen. Wo engagieren Sie sich, und wie bekommen Sie alles unter einen Hut?
Ich arbeite im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und begleite dort Kinder und Jugendliche im Rahmen von Lernförderung und pädagogischer Unterstützung. Außerdem engagiere ich mich seit meiner Schulzeit in Projekten zu interkulturellem Austausch und gesellschaftlicher Partizipation in meinem Heimatstadtteil Wilhelmsburg.
Natürlich ist es manchmal herausfordernd, Studium, Arbeit und Engagement miteinander zu verbinden. Gleichzeitig geben mir diese Bereiche auch viel zurück, weil sie eng mit meinen persönlichen Werten und meiner Motivation für den Lehrberuf verbunden sind. Wichtig ist für mich dabei, bewusst Prioritäten zu setzen und auf einen guten Ausgleich zu achten.
Das Horizonte-Stipendium
Lehramtsstudierende mit Migrationsgeschichte an der Universität Hamburg können sich noch bis 28. Juni 2026 für ein Horizonte-Stipendium der Claussen-Simon-Stiftung, der Dürr-Stiftung und der Jürgen Sengpiel Stiftung bewerben. Die Stipendiat:innen erhalten ein zweijähriges Stipendium, das neben einer monatlichen finanziellen Förderung außerdem Seminare, Workshops und Coachings beinhaltet und praxisrelevantes Wissen für die künftige pädagogische Arbeit vermittelt. Ein:e Tutor:in begleitet den Stipendienjahrgang während des gesamten Förderzeitraums auf ihrem Weg. Stipendienbeginn ist der 1. Oktober 2026. Weitere Informationen zur Bewerbung gibt es auf der Webseite des Horizonte-Stipendiums.